Worum geht es überhaupt auf dieser Seite?
Es geht darum, den Begriff „konviviale Technik“ bekannt zu machen, den ich in meiner Doktorarbeit in Kulturanthropologie entwickle. Kulturanthropologie ist ein Fach, in dem menschliches Handeln in sozialen Zusammenhängen erforscht wird, so ähnlich wie Soziologie, aber ohne Statistiken.
Und was heißt konvivial?
„Convivial“ ist eigentlich ein englisches Wort, und meint in der Alltagssprache so etwas wie fröhliches Beisammensein. Der Sozialphilosoph Ivan Illich hat es in den 1970er Jahren in Zusammenhang mit Technologie gebraucht, in seinem Buch „tools for conviviality“, auf das ich mich auch beziehe. Er meinte mit „Konvivialität“ so etwas wie eine lebensfreundliche Gesellschaft jenseits von Industrialisierung und Wachstumswahn – er hat also, wie andere Philosoph*innen vor ihm auch schon (zum Beispiel Dora und Bertrand Russell in den 1920er Jahren), Sozialismus und Kapitalismus als zwei Ausprägungen der letztlich selben lebensfeindlichen in Europa entstandenen Wirtschaftsweise gesehen. Die „konviviale Gesellschaft“ war für ihn eine Art dritter Weg zwischen diesen beiden Systemalternativen, die mit einem anderen Naturverhältnis einhergehen müsste und deren Produktions- und Wirtschaftsweisen nicht auf fossile Energieträger angewiesen ist, sondern die menschliche und tierische Arbeitskraft als Maßstab nimmt. „Konvivial“ in diesem Sinne meint also so etwas wie „lebensfreundlich“, oder „lebensdienlich“ – „konviviale Techniken“ sind also Techniken und Verfahrensweisen, die nicht mehr Ressourcen benötigen, als nachwachsen und die möglichst frei allen Menschen zu Verfügung stehen und effektiv das Leben erleichtern, anstatt es komplizierter zu machen. Was „konviviale Techniken“ ganz genau sind, kann ich auch noch nicht sagen, denn ich schaue mir die Entwicklung neuer Techniken und Verfahrensweisen an, von denen ich vermute, dass sie so etwas wie konvivial sein oder werden könnten. Anhand meiner Beobachtungen bei der Weiterentwicklung, Nutzung und Verbreitung dieser Techniken möchte ich Kriterien finden, die eine konviviale Technik bestimmen. Diese Definition von Kriterien wird sicherlich mit meiner Arbeit nicht abgeschlossen sein – sie will nur ein Anfang sein, damit andere Menschen mit diesem positiven normativen Technikbegriff weiterarbeiten können.
Warum untersuchst du Technik und nicht gesellschaftliche Macht- und Herrschaftsverhältnisse und Eigentumsstrukturen?
Weil ich glaube, dass gerade im Bereich der Technik- und Verfahrensentwicklung in der Öffentlichkeit der Glaube daran sehr verbreitet ist, dass der Kapitalismus (trotz all seiner unbestritten negativen Seiten wie Umweltzerstörung, materielle Verelendung und psychische Verarmung zahlreicher Menschen) mit seiner „schöpferischen Zerstörung“ (Schumpeter) letztlich zu nie geahnten Höhen der menschlichen Technikentwicklung geführt habe. In meiner politischen Arbeit sehe ich mich häufig dem Argument gegenüber, entweder man habe Fortschritt, Wachstum, technische Entwicklung – und damit letztlich eine Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen – oder man falle zurück in die Steinzeit. Ich möchte mit meiner Arbeit zeigen, dass es diesen scharfen Gegensatz so nicht gibt. Ganz zu schweigen von den vielen grauenhaften, zerstörerischen und unberechenbaren Entwicklungen der Technik (wie Atomkraft und Atombomben, Rüstungsproduktion allgemein, Gentechnik etc) bezieht sich das auch auf Alltagstechniken, die auf den ersten Blick nützlich erscheinen. Gerade innerhalb von Unternehmen, die in einer konkurrenzgetriebenen Marktwirtschaft handeln, kommt es zu Verzerrungen der technischen Entwicklung, weil der Profit wichtiger ist als die Güte des hergestellten Produkts oder Verfahrens, Ingenieur*innen leider darunter seit Jahrzehnten. Wichtige Symptome dieser Verzerrung sind der Einbau minderwertiger Bauteile, da die Geräte nur auf kurze Nutzungsdauer optimiert sind, und das Patentrecht in seiner jetzigen Form, dass dazu führt, dass Entwicklungen an vielen Stellen ständig parallel gemacht werden müssen oder komplett blockiert werden. Deshalb ist ein Reden über Technik immer auch ein Reden über Macht- und Herrschaftsverhältnisse und über Eigentum – gerade an der Diskussion um Open Source und Patente zeigt sich derzeit eines der umstrittensten Felder, was die Entwicklung konvivialer Technik betrifft.
Und was erhoffst du dir von den Besucher*innen deines Blogs?
Dass sie mit mir kritisch über meine Ideen diskutieren. Oder vielleicht sogar auf interessante Projekte hinweisen.
Ist das hier so ein richtiges Blog mit aktuellen Posts und so?
Nein, das ist es nicht. Es ist eigentlich nur eine Seite, auf der ich erste Ideen zu meiner Arbeit vorstelle. Aber wenn ihr aktuelles haben wollt, dann schaut doch einfach mal auf meiner Linkliste vorbei, da gibt es einige Angebote von Menschen, die sich mit ähnlichen Themen wie ich beschäftigen.
Was gibt es denn dann hier in den nächsten Jahren zu sehen?
Ich werde hier zum einen Artikel und Thesen veröffentlichen, die ich zum Thema „konviviale Technologien“ geschrieben habe. Daneben hoffentlich auch Podcasts und Videos – je nach dem, ob ich das technisch gelöst bekomme. Ich würde die Seite aber auch gerne ausbauen, zu so etwas wie einer interaktiven Karte – das hängt aber davon ab, ob ich Leute finde, die Lust haben, mitzumachen, zu designen und zu programmieren. Also: wenn euch das interessiert, schreibt mir einfach eine Email!